Die Entwicklung der Seniorenheime aus Kranken- und Siechenhäusern hat zu Strukturen geführt, die durch die Wirklichkeit eingeholt wurden. Wohnen und Leben stehen heute im Vordergrund, medizinische und pflegerische Versorgtheit ist eher zur wenngleich betonten und subjektiv herausragenden Selbstverständlichkeit geworden. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass die Pflegebedürftigkeit bei steigender Lebenserwartung mehr und mehr zunimmt, also pflegerisches und medizinisches Wissen nicht nur nach wie vor, sondern in immer umfangreicherem Maße gefordert ist.

Was nun macht den neuen Stellenwert dieser Pflege aus, woraufhin findet professionelle Pflege statt, in welchem Bezug soll die Pflege stehen? So lautet unser Leitspruch: “Dem Leben nicht nur Jahre, sondern den Jahren Leben schenken.”

Rollendefinition der Pflegenden

Aus unserer Unternehmensphilosophie und dem dort vorgetragenen Menschenbild folgt, dass wir als Pflegende unsere Bewohner nicht als Gegenüber oder gar als Objekte betrachten, sondern beide treten vielmehr in eine Art Partnerschaft ein, die den Pflegenden mit mehreren Rollen konfrontiert. Der Pflegende in Institutionen ist gleichermaßen emotional zugeneigter Mitmensch (persönliches Engagement), Experte (fachliches Wissen) und Dienstleister (marktorientierte, organisatorische und betriebswirtschaftliche Kompetenz).

Die genannte Rollenstufung hat zu tun mit den Besonderheiten in der Entwicklung helfender Berufe im Allgemeinen und der Altenhilfe im Besonderen. Altenpflege entwickelte sich innerhalb der letzten Jahrzehnte mehr und mehr zum ganzheitlichen, personzentrierten und aktivierenden Tun, nimmt als solches auf die Gesamtbedürftigkeit der Menschen Rücksicht. Der Mensch ist ein Wesen mit einer Vielfalt von Bedürfnissen, angefangen von rein körperlichen und lebenserhaltenden bis hin zu religiösen und der Frage nach dem Sinn. Die Gesamtheit aller dieser Lebensvollzüge, aber auch deren problematischen Seiten und Verluste, macht das aus, was wir meinen, wenn wir von Ganzheitlichkeit sprechen. Im Blickwinkel dieser Ganzheitlichkeit gewährleisten wir eine sach- und fachkundige, zielgerichtete Pflege nach dem Pflegemodell von Monika Krohwinkel. Ziel ist es hier, einer individuellen Pflege und Betreuung Rechnung zu tragen.

Pflegeverständnis

In diesem Sinne pflegen wir bedarfsgerecht und aktivierend und beziehen die vorhandenen Ressourcen und biographischen Daten in unser interaktives Handeln mit dem Bewohner ein. Wir berücksichtigen hierbei dessen individuellen Wünsche und Bedürfnisse.

In Anbetracht voranschreitender körperlicher, geistiger und sozialer Verluste im Alter gewinnen diese menschlichen Grundbedürfnisse nach Überschaubarkeit, Beziehung, Wertschätzung, Sicherheit, Privatheit, Unabhängigkeit und Identität immer mehr an subjektiver Bedeutung, weil der räumliche Radius ihrer Befriedigung zunehmend geringer wird und schließlich in der eigenen Wohnung mehr oder weniger seinen Fokus findet. Daraus erhellt, dass bei der Berücksichtigung solcher Bedürfnisse gerade eine Betonung der Wohnatmosphäre angezielt werden muss. Ziel ist es, die soziale und kulturelle Integration zu fördern und den Tag sinnvoll und Sinn gebend durch ein breites Spektrum an Betreuungs- und Aktivierungsangeboten sowie durch die Förderung religiöser Gewohnheiten und Traditionen zu gestalten.

In diesem Sinne versuchen wir durch unser pflegendes Handeln, die alten Möglichkeiten wiederherzustellen oder neue zu schaffen, um den Tag auszugestalten. Die unabänderlichen Verluste helfen wir zu kompensieren oder zu verarbeiten, so dass Leben überhaupt noch als Geschenk und nicht vielmehr als Last empfunden werden kann. Sterben und Tod, diese allzu häufig verdrängten und missachteten Tatsachen, haben in diesem Zusammenhang als Abschluss des Lebens zu gelten. Auch und vielleicht gerade hier wollen wir, ebenso wie bei allen anderen Inhalten und Aufgaben des Lebens im Alter die betroffenen Menschen als engagierte Personen, als Experten und als Dienstleister beraten, unterstützen und begleiten.